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Chinesen bauen ein Hannover-Kaufhaus
Eröffnung an der Hannoverschen straße in Changde im Oktober / Neues Konzept für Internethandel
VOM VOLKER WIEDERSHEIM
Hannover macht sich. In China. Präziser: In der Stadt Changde, einer Sechs-Millionen-Metropole in der südlichen Provinz Hunan, die wie berichtet ein ganzes Quartier vage nach Vorbildern aus der niedersächsischen Landeshauptstadt hochzieht. Dort entsteht nun auch ein Kaufhaus namens Hannover Center mit einem bemerkenswerten Konzept. In durchaus luxuriösem Ambiente – nicht ganz Harrod’s, aber glamouröser als Kaufhof – auf 5800 Quadratmetern über vier Etagen sollen dort bevorzugt Unternehmen aus der Region Hannover ihre Produkte anbieten.
Eingekauft wird allerdings ein bisschen anders als in den hier üblichen Kaufhäusern: In den noblen Etagen des Shoppingpalastes lagern Produkte nicht stapelweise in Regalen. Vielmehr werden nach Art einer Messe oder Ausstellung einzelne Stücke attraktiv in Szene gesetzt. Der durch die Hallen flanierende Kunde bestellt auf dem vom Kaufhaus bereitgestellten Tabletcomputer im Internetversandhandel. Das mag ein wenig nach Zukunftsmusik klingen, doch in China ticken die Uhren anders – schneller. Die Eröffnung ist für den 18. Oktober geplant. Oberbürgermeister Stefan Schostok, so ist zu hören, hat den Termin im Kalender notiert. Er scheint gegenüber einer Reise nach Changde zur Eröffnung nicht abgeneigt.
Das wäre für Schostock dann der zweite Besuch in Changde binnen zwölf Monaten. Im Herbst 2015 hatte er auf einer Reise durch mehrere südchinesische Metropolen auch auf der Baustelle in Changde Station gemacht, wo er der Han Nuo Wei Da Jie – der Hannoverschen Straße – offiziell ihren Namen gab. Ein Dreivierteljahr später sind dort Rohbauten und vielfach auch schon die mit Zinnen und teils putzigem Putz verzierten Fassaden fertig – auch das Hannover-Kaufhaus.
Nun geht es daran, die Gebäude mit Leben zu füllen. Im Falle das Kaufhauses spielt die in Vahrenwald ansässige Firma Pilano Fashion mit dem aus China stammenden Gründer und Geschäftsführer Xinjie Ye sowie Projektberater Heinz Lehmann eine Hauptrolle. Sie wird als Betreiber des Kaufhauses in Changde die Warenpräsentation übernehmen und den Internetversandhandel von Deutschland nach China abwickeln.
Ein ganz starkes Argument für das Engagement in Changde findet sich übrigens im Kleingedruckten der chinesischen Zoll- und Steuerbestimmungen. Wer Produkte nach China exportiert und dort verkauft, zahlt je nach Warensorte einen Aufschlag von 30 bis 40 Prozent auf den Preis für Zoll, Mehrwert- und Verbrauchssteuer. Bei der Bestellung eines chinesischen Kunden im Internetversandhandel ist der Einfuhrzoll hingegen oft um die Hälfte günstiger.
In enger Abstimmung haben die Wirtschaftsförderer von Hannoverimpuls und Pilano Fashion vor zwei Tagen rund 3500 Unternehmen eingeladen, sich für das Entree in den chinesischen Markt und ihren Platz im Hannover-Kaufhaus von Changde zu interessieren. „Schon nach einer Stunde hatten wir vier konkrete Interessenten“, sagt Peter Eisenschmidt, bei Hannoverimpuls zuständig fürs Internationale. Auch Konzerne wie VW, Conti, Sennheiser und Rossmann hätte man gern dabei, wie Lehmann betont – weniger mit Blick auf den Internethandel als den guten Klang der Namen. „Wir kriegen das Haus voll, das ist keine Frage. Aber wir hätten gern die Firmen und Produkte aus Hannover“, sagt Lehmann.
Unternehmen, die jetzt mit dem Aufbruch nach China liebäugeln, sollten nicht zu lange zögern. Waren, die zur Eröffnung im Oktober da sein sollen, müssten alsbald verschifft werden. Und der Termin Ende Oktober steht. Anders als in Deutschland ist in China auch bei größeren Projekten damit zu rechnen, dass Eröffnungstermine eingehalten werden.